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Dohlen im Schornstein

Die Dohle: Vogel des Jahres 2012


Schornsteinfeger warnen vor Kohlenmonoxid-Vergiftung durch verstopfte Abgangswege. Wenn Dohlen in Schornsteinen nisten, ist das Leben der Hausbewohner in Gefahr. Auch die Vögel erleben in diesen Tagen ihren Frühling. Die Rabenvögel suchen sich leider allzu oft Schornsteine aus, um dort ihre Nester zu bauen.

"Es interessiert Dohlen wenig, dass durch die Schornsteine eigentlich die Abgase abziehen sollen", warnt Jens Wagener, Pressesprecher der Schornsteinfegerinnung Osnabrück-Emsland. Die Dohlen werfen Zweige in den Schacht. Wo sie sich verfangen, wird weiter gebaut. Und damit nimmt das Unglück seinen Lauf: Der Schornstein ist in der Regel seiner Funktion beraubt. Das größte Problem besteht darin, dass die Betreiber der Gas- oder Ölheizung davon oft nichts mitbekommen. Also läuft die Feuerstätte weiter, die Gase treten im Aufstellraum aus. Dies kann zu einer Kohlenmonoxid-Vergiftung führen, die oftmals tödlich endet. Im vergangenen Jahr ereignete sich in Rhauderfehn ein derartiger Unfall: Dohlen hatten tagelang Äste und Zweige in den Schornstein fallen lassen und ihn so gründlich verstopft. Die Abgase der Heizungsanlage konnten nicht mehr abziehen, drangen zurück ins Haus und vergifteten die Bewohner, denen im Badezimmer stets schwindelig wurde. Sie konnten sich aber noch in Sicherheit bringen.
Kohlenmonoxid, das bei der erneuten Verbrennung der Abgase entsteht, blockiert den Sauerstofftransport im Blut und führt im schlimmsten Fall zur Erstickung. Bei den Kontrollgängen der Schornsteinfeger wird das Nistmaterial oft eimerweise zu Tage gefördert. "Die Dohlen werfen Stöcke, Moos, Gras, Papiertaschentücher, Silvesterraketen oder sogar Getränkedosen in den Schornstein hinein - alles, was sie finden können", berichten die Schornsteinfeger. Das Nest ist so stabil, dass die Schornsteinfeger mit dem Entfernen meistens viel Arbeit haben. Ohne Spezialwerkzeuge läuft nichts: Zum Einsatz kommen so genannte ?Harpunen?, mit Widerhaken besetzte Speerspitzen, um das Material heraus zu bekommen. Oder es werden schwere Eisenkugeln an der Kehrleine von oben in den Schornstein geworfen, um das Nest nach unten zu drücken. Bei Schornsteinen, die nicht gerade, sondern winkelig gemauert sind, kann das schon einmal ein paar Stunden in Anspruch nehmen. Wenn ein reger Flugbetrieb der Tiere in Schornsteinnähe beobachtet wird, und im Schornstein bereits Nistmaterial liegt, sollte unbedingt der zuständige Bezirksschornsteinfeger verständigt werden. Die Schornsteinfeger-Innung appelliert auch an die intakte Nachbarschaft: "Meistens schaut man auf den Schornstein des Nachbarhauses und nicht auf seinen eigenen", sagt Jens Wagener.
Die Montage eines Dohlengitters ist ein zuverlässiger Schutz. Die Dohle (Coloeus monedula) ist ein über. Europa verbreiteter taubengroßer, schwarzer Rabenvogel mit grauem Kopf. Die geschützte Dohle nistet unter anderem gesellig auf Türmen, in Baumhöhlen oder in Schornsteinen. Das Weibchen legt etwa fünf bis sechs Eier.

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